KW01 – Ja, es gibt noch vertrauenswürdige Menschen
2. Januar 2003 Dieser Artikel wurde zum: 8.10.08 aktuallisiert
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
Das erste Jahr kann doch nicht besser beginnen, als wenn der Präsident der EZW (Europäischen Zentralbank) öffentlich Fehler eingesteht.
(Fast) alle Menschen in Deutschland waren der Meinung, dass nach der Einführung des Euro´s die Preise schneller gewachsen sind, als das Unkraut im Garten.Es gab – meines Wissens – keinen Politiker auf der Bundesebene, der hier zustimmende Meinungen vertreten hat. Das Statistische Bundesamt bestätigte die Aussagen der Politiker dadurch, indem es auf die geringe Inflation hingewiesen hat.
Recht hatten Sie, aber dann auch wieder nicht. Denn der Warenkorb mit seinen 750 “Produkten” ist voll mit Gütern, die langfristig finanziell gebunden und hochpreisig sind und somit keiner wesentlichen Erhöhung unterzogen wurden. Als Beispiel soll hier die Miete eines Hauses gelten.
Die Weißwurst kostete in der ersten Januar-Woche 2000 in Taufkirchen in einem Gemischtwaren-Laden 18,98 Euro – im Dezember 1999 waren es noch 19,98 DM. Nun, bei einer groben Hochrechnung kommt man da auf knapp 100% Aufschlag. Ob in der Pizzeria, oder beim Gemüsehändler, die Preise waren exorbitant hoch. Seitens der Politik wurde immer wieder versucht uns zu vermitteln, dass dies alles subjektives Empfinden und nicht richtig sei.
Bis heute halten sich die Gerüchte, dass der Euro die Preise für Produkte und somit die Inflation nach oben getrieben hat. Und da kommt der oberste Geldhüter Europas und verkündet – sehr medienunwirksam, dass die Bürger auch noch recht hatten.
“… Wir haben nur zögernd zur Kenntnis genommen, dass die Umstellung in gewissem Maße Preis steigernd gewirkt habe … ” (De Financieel Economische Tijd), oder “… Wir hätten da einfach ehrlicher sein sollen …” (RTL-Z). Wim Duisenberg gab auch zu, daß der Euro dafür gesorgt habe, dass die Inflationsrate über dem Zielwert läge.
Danke Herr Duisenberg, Sie verdienen allen Respekt.
Warum, sehr geehrter Herr Bundeskanzler kann die Politik nicht diese ehrlichen Worte gegenüber seinen Wählern finden. Warum geht es nicht, einfach mal Fehler einzugestehen. Es geht nicht darum festzustellen, dass der Euro nicht gut ist. Der Euro ist in der Grundsache eine politisch und wirtschaftlich gute Lösung, aber es wurden Fehler gemacht. Aber auch noch so kleine Fehler kann man positiv verargumentieren.
Kann man Menschen, die alles richtig machen langfristig Ernst nehmen und sind diese Menschen langfristig vertrauenswürdig ?
Mit freundlichem Gruß Hans-D. Kaden
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