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KW12 – Darfs ein bischen mehr sein

22. März 2003  Dieser Artikel wurde zum: 8.10.08 aktuallisiert    

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

Warum der Satz “Die Gesundheit ist uns einiges wert” wirklich stimmt. Ich hatte diese Woche einiges in den Zeitungen gelesen, worüber es sich lohnt zu schreiben. Erschüttert hat mich jedoch, daß -nach einer Umfrage von Reader´s Digest- die Polizei, die Bundeswehr (Hochwasser sei Dank) und die Ehe im Ranking ganz weit oben liegen, jedoch die aktuelle Bundesregierung und die Gewerkschaften sich um den letzten Platz “schlagen”. Steht hier nicht wal wieder einer Image-Aufbesserung an?!

Doch zur Gesundheit. In den Medien war zu entnehmen, daß es wohl zukünftig eine Praxisgebühr geben soll, wenn man, oder Frau zum Arzt gehen müssen. Müssen, denn von wollen kann ja nicht die Rede sein. Diese Gebühr soll den Menschen in Rechnung gestellt werden, die nicht erst zum Hausarzt gehen, sondern gleich zu einem Facharzt. So sollen dann die “Doc-Hopper” (Menschen die unnötig den Arzt wechseln) davon abgehalten werden, ständig neue Ärzte aufzusuchen, weil sie bei ihrem Arzt schon alle Zeitschriften gelesen haben.

Frauen- Kinder und Augenärzte sollen auch zukünftig ohne den Umweg “Hausarzt” Ihre Wehwehchen behandeln lassen können. Faire Sache, aber wo bleiben bitte die Urologen, die Zahnärzte, die Orthopäden ? – Tja, da hat Ihr Krankheitsexperte Klaus Kirschner in der “Frankfurter Rundschau” nicht so richtig nachgedacht !

Ein Satz zu den Hausärzten. Ich denke solange die meisten Hausärzte Wartezeiten von bis zu 1,5 Stunden haben (natürlich habe ich auch schon 10 min gewartet, denn ein gebrochenes Bein macht sich im Wartezimmer nun mal nicht so gut) und die Behandlungen eher einem TüV-Ternin gleichen, solange wird sich an der schlechten Situation nichts ändern.

Zudem stellt sich mir die Frage, was mache ich nun als Mann, wenn meine Vorsorgeuntersuchung ansteht ? – Gehe ich dann zum Hausarzt, sage ihm nach 45 Minuten Wartezeit, daß es mir eigentlich bis vor der ewigen Warterei im Wartezimmer noch sehr gut gegangen ist und ich doch eigentlich nur eine Überweisung zu einem Urologen benötige, derweil die Vorsorgeuntersuchung ansteht ? – Nein, falsch, ich muß dem Arzt noch mitteilen, daß ich mir im Wartezimmer während der 45 Minuten Wartezeit noch eine Grippe, den Husten und die Pest geholt habe – von den Patienten, die auch schon seit einer Stunde warten.

Zum Thema unnötige Arztwechsel möchte ich Ihnen eine Gegebenheit mit auf den Weg geben, die sich tatsächlich so zugetragen hat:

… Meine kleine Tochter musste wegen einer Ohrenentzündung zum HNO-Arzt, nach Anweisung ihres Hausarztes.

Nach einem Anruf bekamen wir kurzfristig auch ein Termin, das Warten hielt sich im Rahmen. Der Arzt scheint versiert, aufmerksam und zuvorkommend. Scheinbar ist alles bestens.

Nach Untersuchung und Maßnahmen sagt er mir, wir sollten nächste Woche wiederkommen, um noch einmal nachzusehen. Das sei keine Verpflichtung, sondern ein Entgegenkommen seinerseits. Ich glaubte, es handle sich um ein Missverständnis und beteuerte, dass ich nichts dagegen hätte, noch einmal zu kommen, schließlich wolle ich ja sicher sein, dass mit der Kleinen alles in Ordnung sei.

Ja, bleibt er auf seinem Gnaden-Trip, er habe nämlich eigentlich eine Privatpraxis. Ich war etwas vor den Kopf gestoßen, schließlich steht der Mann als einzige HNO-Praxis für den Ort T. und die Nachbargemeinde O. im Telefonbuch und frage zögernd, was das denn bedeute, ob er denn seine Leistung etwa nicht von der Kasse bezahlt bekäme.

Doch, aber daran liege ihm nichts. Zudem habe er bereits 60 000 Patienten (T. hat knapp 20 000 Einwohner), neue könne er nicht mehr aufnehmen. Aha, dann darf ich ihm meinen neu zugezogenen Vater also nicht vorbeischicken? Oder selber kommen, wenn ich einmal krank bin? Eine ausweichende, aber doch deutliche Antwort, dass ihm unser Fernbleiben lieber wäre.

Die Sprechstundenhilfe sagt mir anschließend auf meine Frage, dass man problemlos jederzeit einen Termin machen könne, auch neue Patienten, es gebe nur für kurzfristige Termine Engpässe.

Eine Freundin erzählte mir später, dass sie bei ihrem Besuch über eine Stunde gewartet habe, obwohl das Wartezimmer leer gewesen sei. Sie habe etwas herumgeschaut und festgestellt, dass es noch ein Wartezimmer gebe, für die Privatpatienten, mit Ledersesseln und Hochgeistiger Literatur, statt “Bild für die Frau” von Jahr zuvor.

Aufgrund bevorzugter Behandlung kämen sie eben etwas eher dran.

Was tun, wenn man zum HNO-Arzt muss? Nach “U” auswandern? – Nein, einfach nicht krank werden !

Gruß Hans-D. Kaden


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