KW11- Die Brückenbauer von Dresden – und kein Ende
13. März 2007Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
letztes Jahr im Sommer habe ich Ihnen schon eine kleine eMail geschrieben. Es ging um die Brückenbauer von Dresden. Heute – nach Sichtung einiger Tageszeitungen habe ich doch tatsächlich wieder einen Beitrag zu den Brückenbauern gefunden.
Laut Az.: 4 BS 216/06 wurde nun Dresden durch das sächsische Oberverwaltungsgericht in Bautzen zum Bau der Brücke gezwungen. Ich zitiere mal Herrn Thierse – seines Zeichens Bundestagsvizepräsitent “… das heute ergangene Urteil des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts schadet Deutschland als Kulturstaat …”.
Nun der Hintergrund der Entscheidung ist sehr einfach: Im Jahre 2005 haben die Dresdner mit einem Bürgerentscheid entschieden, dass die Brücke gebaut wird. Es stimmten damals ca. die Hälfte der Wahlberechtigten dafür – mehr nicht.
Nun, und weil diese Bürger für die Brücke waren, hat das Gericht entschieden, dass den Bürgern recht zu geben ist.
Was ich – und Herr Thierse in seiner Antwort – vermissen, ist die Sinnhaftigkeit von Vorgängen. Bis heute ist der Verkehr rückläufig und dennoch soll die Brücke gebaut werden.
Es ist sicherlich beeindruckend, dass ein Gericht die Entscheidung der Bürger vor das Weltkulturerbe stellt. Jedoch stellt sich mir die Frage, ob hier nicht ein Schildbürgerstreich erster Ordnung entsteht.
Ich wünsche mir, dass hier nochmals darüber nachgedacht wird, was ein Weltkulturerbe gegenüber sinkendem Autoverkehr wirklich wert ist.
Mit freundlichem Gruß Hans-D. Kaden
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Hallo Martin,
Danke für Ihren Kommentar. Kürzlich war im Fernsehen eine Sendung, in der es auch um die Dresdner Brücke ging. Wie dort eindeutig zu hören war, wußten die wenigsten Menschen in Dresden davon, dass durch die Brücke das Weltkulturerbe aberkannt wird.
Nun sicherlich kann man nun sagen, dass sich die Menschen hätten informieren müssen. Ich könnte aber auch den Gedanken nachvollziehen, wenn die Meinung auf käme, dass die “Brückenbauer” diese Information hätten preis geben sollen. Wenn die “Brückenbauer” es nicht gewußt haben, spricht dies für das unprofessionelle Vorgehen.
Wenn ich ein Projekt plane und während der Planungsphase feststelle, dass ich einem Irrtum erlegen bin, oder sich die Sachlage geändert hat, dann bremse ich um den Kurs den neuen Gegebenheiten anzupassen, oder stoppe das Projekt gegeben falls.
Dass bereits schon viel Geld investiert wurde, mag sein, es wird aber dann noch mehr Geld – eventuell sinnlos – investiert.
Wie gesagt, der Verkehr ist rückläufig und unter den aktuellen (notwendigen) Klimadiskussionen, bezweifle ich, dass wir noch mehr Verkehr bekommen.
Viele Grüße
Hallo Herr Kaden,
ganz so einfach ist es wohl doch nicht mit der Waldschlösschen Brücke in Dresden. Erzählen Sie mal einem Dresdner, der zwischen 15 und 17 Uhr im Stau steht, dass der Verkehr rückläufig ist ;-) .
Es stimmt schon, dass der Blick ins Elbtal einfach genial ist – die Brücke würde in zweifelsohne einschränken – aber nicht unbedingt zerstören. Es liegt an den Projektanten, da eine gescheite Baulösung zu finden.
Wenn man den Bau nicht vollziehen würde, was würde dann ein Großteil der Leute schimpfen, dass doch schon so viel Geld in die Planung geflossen ist. Wie man es auch macht, es wird wohl falsch werden.
Erstaunlich ist allerdings, dass Umfragen in Dresden ergeben haben, dass die einheimischen bzw. die in Dresden aufgewachsenen sich weniger am Verlust des Weltkulturerbe-Titels stören, als es die Touristen oder hinzugezogenen Bürger machen würden.
Viele Grüße.